
Reisen leiten – und wie wird mein Reiseleiter-Gehalt aussehen?
Das Reiseleiter-Gehalt variiert genauso stark, wie es vielfältig geartete Jobs und verschiedene Veranstalteransprüche an die Reiseleitung gibt. Angefangen von „ehrenamtlichen Begleitern“, die für meist soziale Institutionen oder nicht-kommerzielle Veranstaltungen unterwegs sind und dies auch nicht als Verdienst, sondern als kostenlose Reisemöglichkeit betrachten, bis hin zu Spitzen-Honoraren zwischen 300 und 400 Euro pro Tag für hochspezialisierte, meist mit der Person des Reiseleiters ausgeschriebene Sondertouren wie z.B. die „Ornithologische Fachstudienreise für Fotografen mit Herrn Prof. Dr. Max Mustermann“, dazwischen ist alles möglich.
Vorab sei erwähnt, dass bei Reiseleiter-Tätigkeiten, die keine Dauerpräsenz im Zielgebiet erfordern, sondern bei denen die ReiseleiterInnen mit der Gruppe hin- und zurückreisen, in den allermeisten Fällen keine Festanstellungen existieren, sondern diese Einsätze als Honorartätigkeit auf der Basis von „freier Mitarbeit“ erfolgen. Diese Reisen werden nach der Anzahl der absolvierten Tage honoriert, die Tageshonorare zusammengezählt ergeben das Gesamthonorar für diese Reiseleitung. Die Versteuerung, Kranken- und Sozialversicherungsabgaben obliegen dann dem Reiseleiter selbst.
Es gibt Reiseveranstalter, die für die bloße „Reisebegleitung“ zwischen 30,- und 70,- Euro Reiseleiter-Gehalt pro Tag bezahlen, hierbei sind die Ansprüche natürlich nicht gleich dem der „Reiseleitung“ (siehe Rubrik „Definitionen“). Der durchschnittliche und damit „ernstzunehmende“ Honorarbereich für die Tätigkeit als „ReiseleiterIn“ mitsamt dem ganzen Aufgaben- und Verantwortungsbereich liegt in unserer Branche etwa zwischen 80,- und 120,- Euro pro Einsatztag für Bereiche wie Erlebnis-, Wander-, Rad-, Rund- und bisweilen auch Studienreisen.
Ein höheres Reiseleiter-Gehalt erzielen ReiseleiterInnen dann des Öfteren, wenn es sich um noch viel hochwertigere Reisen mit anspruchsvollem Publikum, hohen Reisepreisen und entsprechendem Studienreise-Charakter handelt und dabei entweder eine bestimmte Anzahl von Reisen pro Jahr geleitet werden oder der/die Stamm-ReiseleiterIn bereits seit mehreren Jahren hervorragende Leistungen erbracht und Spitzenresonanzen eingefahren hat. Es gibt hierbei verschiedene Modelle für das Reiseleiter-Gehalt, wie Veranstalter Staffelhonorare bezahlen. Manchmal geht es um die Anzahl der Touren, manchmal um die Dauer der Zugehörigkeit, oft geht es auch um die Frage, wie selten ist eine bestimmte Kompetenz bzw. Spezialqualifikation und was gibt der Markt hierfür her. In seltenen Fällen kann man als ReiseleiterIn über das Honorar verhandeln, aber die meisten Veranstalter haben ihr eigenes und unverhandelbares Honorargefüge, da sollte man sich nicht allzu viel Spielraum versprechen, denn die Kalkulationen der Reisen sind gemacht und diese meist mit spitzem Bleistift.
Was zunächst vielleicht nach nicht sehr viel klingt, sieht aber in der Realität dagegen schon wieder ganz anders, nämlich positiver aus, denn als ReiseleiterIn sollte man von Haustür zu Haustür keine Kosten haben, es sollten alle Reisekosten vom Veranstalter übernommen werden. Heißt, man hat also während der Reiseleitungsphasen keine Ausgaben außer die Fixkosten zuhause (die privaten Ausgaben vor Ort sollte man sich spätestens wieder durch das Trinkgeld wieder hereinholen).
Dies bedeutet, wenn ein/e „Vollzeit-ReiseleiterIn“ etwa 180 Tage pro Jahr im Einsatz ist (was etwa der Realität entspricht), ergibt das Rechenbeispiel bei einem Honorar von beispielsweise € 100,- pro Einsatztag 18.000,- Euro Brutto-Einkommen. Auf Steuern und Krankenversicherung entfallen bei geschicktem Verhandeln etwa 3000,- Euro Kosten, bleiben 15.000,- Euro Nettoeinkommen. Wenn man bedenkt, dass man dabei für die Hälfte des Jahres keine Ausgaben hat, sondern nur die Fixkosten und die restlichen 185 Tage im Jahr finanzieren muss, ergibt dies umgerechnet aufs gesamte Jahr, wie wenn man ein Jahreseinkommen von 30.000 Euro hätte.
Nicht schlecht für einen Job, der ja anscheinend eher zur Selbstverwirklichung dienen sollte als zur Anhäufung von Reichtum und Wohlstand. Natürlich gelingt diese Rechnung nur, wenn man es schafft, seine Fixkosten zu reduzieren, z.B. durch das günstige Wohnen in Wohngemeinschaften, Untervermietung seiner Wohnung bzw. Zimmers während der Abwesenheiten, Carsharing etc. Viele ReiseleiterInnnen reduzieren auf solche Weise ihre Fixkosten so sehr, dass es manchen sogar schon gelungen ist, dabei sogar Ersparnisse und Rücklagen zu bilden.
Aber natürlich ist dies kein bzw. nur sehr begrenzt ein Job, um eine Familie zu ernähren oder um sein Häusle zu bauen. Aber es gibt sicherlich Tausende von ReiseleiterInnen, die auf diese Weise einen bestimmten, meist sehr exotischen Lebensstil pflegen und dabei auch langfristig klarkommen. Andererseits ist dies auch als Übergangsphase für ein paar Jahre möglich, und schließlich natürlich auch vielleicht nur als Nebenjob oder Teil eines Patchwork-Jobgefüges, dann spielen solche Überlegungen ohnehin keine so tragende Rolle.