Die größten Missverständnisse zum Beruf Reiseleiter

Reiseleiter – Das sind die größten Missverständnisse

Reiseleiter? Das ist doch kein richtiger Beruf!
Da ist man doch ständig im Urlaub!
Dafür braucht man doch eine touristische Ausbildung!
Und leben kann man davon sowieso nicht …

Rund um den Beruf Reiseleiter kursieren erstaunlich viele Vorstellungen, die mit der Realität wenig zu tun haben.

Zeit, mit ein paar davon aufzuräumen.

„Reiseleiter? Das ist doch kein richtiger Job!“ 

Reiseleiter

Doch. Und zwar einer, der durchaus anspruchsvoll sein kann.

Reiseleitung bedeutet Verantwortung, Organisation, Kommunikation, Fachwissen und oft auch jede Menge Improvisation. Wer eine Gruppe mehrere Tage oder Wochen durch ein Land begleitet, hat nicht einfach „ein bisschen Urlaub mit Gästen“.

Reiseleitung kann Hauptberuf, Nebenberuf, berufliche Übergangslösung oder sogar Berufung sein. Viele Reiseleiter arbeiten seit Jahren oder Jahrzehnten in diesem Beruf.

Reich wird man damit nicht automatisch. Aber man kann durchaus davon leben – und dabei etwas tun, das andere als ihren Urlaub erleben.

Arbeiten, wo andere Urlaub machen? Ja. Urlaub haben? Das ist etwas anderes.

„Reiseleiter sind doch ständig im Urlaub!“

Ein Klassiker.

Die Gäste sind im Urlaub. Der Reiseleiter ist im Dienst.

Während die Gruppe ausschläft, kann bereits die nächste organisatorische Aufgabe warten. Und auch nach einem langen Reisetag kann jederzeit etwas passieren, bei dem die Reiseleitung gebraucht wird.

Natürlich gibt es freie Zeiten. Aber man bleibt Ansprechpartner – und trägt Verantwortung für die Gruppe.

Das hat allerdings auch einen schönen Nebeneffekt:

Wenn die Reise vorbei ist, können Reiseleiter ihren Urlaub tatsächlich noch anhängen.

„Dafür braucht man eine touristische Ausbildung!“

Reiseleiter

Nicht unbedingt.

Gerade bei Rundreisen, Studienreisen, Wander- oder Aktivreisen sind häufig ganz andere Fähigkeiten entscheidend:

Landeskenntnisse, Reiseerfahrung, Organisationstalent, Sprachkenntnisse, Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit, eine Gruppe zu führen.

Eine touristische oder kaufmännische Ausbildung kann hilfreich sein, ist aber längst nicht für jede Form der Reiseleitung Voraussetzung.

Eine gezielte Reiseleiter-Ausbildung kann dagegen ein sinnvoller Einstieg sein: Sie vermittelt wichtiges Handwerkszeug, schafft Sicherheit und kann gerade für Quereinsteiger die Bewerbungschancen verbessern.

Bei anspruchsvollen Studienreisen können je nach Veranstalter und Thema außerdem entsprechende fachliche Studien- oder Berufserfahrungen gefragt sein.

„Von Reiseleitung kann man doch nicht leben!“

Reiseleiter

Auch das stimmt so pauschal nicht.

Es gibt sehr unterschiedlich bezahlte Reisearten und Veranstalter. Bei einfachen Reisen können die Honorare entsprechend niedrig sein. Bei anspruchsvolleren Rund-, Studien- oder Aktivreisen gibt es dagegen Reiseleiter, die in Vollzeit von ihrer Tätigkeit leben.

Entscheidend sind unter anderem Reiseart, Veranstalter, Erfahrung und Einsatzumfang.

Kurz gesagt:

Reiseleitung ist kein einheitliches Geschäftsmodell – und deshalb gibt es auch nicht das eine typische Reiseleiter-Einkommen.

„Reiseleiter werden doch ständig angeflirtet!“

Reiseleiter

Das ist eher ein Klischee als ein Berufsmerkmal.

Natürlich entstehen auf Reisen persönliche Kontakte – schließlich verbringt man oft viele Tage gemeinsam. Während einer Reise sollte die Reiseleitung jedoch professionell bleiben. Flirts oder Beziehungen innerhalb der Gruppe können schnell zu unangenehmen Situationen und Problemen führen.

Vereinfacht gesagt:

Reiseleitung ist Dienstleistung – kein Dating-Job.

„Als Reiseleiter muss man im Ausland leben!“

Reiseleiter

Nein.

Viele Rundreiseleiter reisen gemeinsam mit ihren Gruppen aus Deutschland oder dem deutschsprachigen Raum ins Zielgebiet und anschließend wieder zurück.

Wer dauerhaft im Ausland leben möchte, kann das mit entsprechender Spezialisierung durchaus mit Reiseleitung verbinden. Entscheidend ist dann natürlich, dass es für das jeweilige Reiseziel auch genügend Einsätze gibt.

Ausland leben: möglich. Ausland leben müssen: keineswegs.

„Für Reiseleitung bin ich zu alt!“

Reiseleiter

Auch das lässt sich so nicht sagen.

Eine feste Altersgrenze gibt es nicht. Entscheidend ist vielmehr, ob Alter, Auftreten, Erfahrung und Persönlichkeit zur jeweiligen Reise und Zielgruppe passen.

Gerade bei Rund- und Studienreisen können Lebenserfahrung, Souveränität und ein fundierter Erfahrungsschatz sogar sehr hilfreich sein.

Deshalb ist Reiseleitung durchaus auch ein Beruf für Quereinsteiger und Spätberufene.

 „Da hat man doch nur mit meckernden Touristen zu tun!“

Reiseleiter

Natürlich gibt es Beschwerden. Wo Menschen reisen, läuft schließlich nicht immer alles nach Plan.

Aber genau hier zeigt sich gute Reiseleitung:

Zuhören. Ruhig bleiben. Problem verstehen. Lösung suchen.

Wer seine Gäste aufmerksam begleitet, kann viele Probleme bereits erkennen, bevor daraus eine große Beschwerde wird.

Und manchmal ist ein Gast gar kein „Meckerer“ – sondern einfach jemand, der gerade ein Problem hat und möchte, dass sich jemand darum kümmert.

Genau dafür ist die Reiseleitung da.

Was bleibt von den Vorurteilen?

Reiseleitung ist kein bezahlter Urlaub, kein Job nur für Tourismusprofis und kein Beruf mit einem bestimmten Alter.

Aber sie ist auch kein Job für Menschen, die lediglich gerne reisen.

Wer Reiseleiter werden möchte, sollte Menschen mögen, Verantwortung übernehmen können, gerne organisieren und kommunizieren – und bereit sein, auch dann professionell zu bleiben, wenn einmal nicht alles nach Plan läuft.

Und genau das macht den Beruf so spannend.

Denn Reiseleitung bedeutet nicht nur, anderen die Welt zu zeigen.

Man erlebt sie selbst – jedes Mal ein bisschen anders.