Die größten Missverständnisse

Die größten Missverständnisse zum Berufsbild „ Reiseleiter “

“ Reiseleiter ist eh kein richtiger Job! “

Reiseleiter

Fakt ist, wenn man ihn richtig macht, IST Reiseleiter ein richtiger Job, also anspruchsvoll, anstrengend, aber auch beglückend und bereichernd. Man kann ihn als Hauptberuf oder als Nebenjob ausüben, und manche Reiseleiter absolvieren auch nur eine einzige oder zwei Reiseleitungen im Jahr. Trotzdem sollte man den Job auch dann so ernst nehmen, wie jeden anderen auch, und dafür in dem Moment „alles geben“, denn kein Reisegast verzeiht es einem, wenn man „eben mal keinen guten Tag  (oder Woche) hat“ oder mit nur mäßig Lust dran geht. Reiseleitung kann ein „Übergang“ von einem Lebens- und Berufsabschnitt zum anderen sein, eine permanente Nebenbeschäftigung“ oder ein Hauptberuf und für viele sogar eine „Berufung“. Man kann natürlich davon leben, tausende von ReiseleiterInnen in Deutschland tun dies, und das auch oft schon mehrere Jahre bis Jahrzehnte. Man wird sicher nicht reich dabei, aber man hat die Möglichkeit, sich auf sehr exotische Art und Weise zu verwirklichen und seinen Traum „Arbeiten, wo andere Urlaub machen“ leben. Es ist ein Job, der meist auf Honorarbasis abgerechnet wird und fast ausschließlich bei Standort-ReiseleiterInnen mit befristetem Halbjahresvertrag in Festanstellung. Bei den Honorar-ReiseleiterInnen basiert der Job also auf einer „freien Mitarbeit“ ohne Sozialversicherungspflicht oder Sozialabgaben (Rente, Arbeitslosigkeit), wenn man mehrere Arbeitgeber hat, sonst droht das Phänomen „Scheinselbständigkeit“. Man versteuert am Jahresende sein Einkommen selbst. Die Krankenversicherung ist ebenfalls selbst zu finanzieren.

„ Reiseleiter sind immer Im Urlaub! “

ReiseleiterInnen machen sicher auch Urlaub, nur nicht während der Reiseleitung. Wir würden es mal so ausdrücken, sie sind „auf einer Reise“, aber sicher nicht selbst im „Urlaub“. Denn da tut man, wozu man Lust hast, als Reiseleiter hat man aber eine Aufgabe, die u.U. 24 Stunden am Tag zu bewältigen ist. Und dies auch eine, zwei oder drei Wochen lang. Die Gäste sind im Urlaub, man selbst ist im Dienst. Natürlich hat man hie und da auch freie Zeit, aber man muss eben ständig damit rechnen, dass man auf Zuruf – nämlich im Notfall – wieder schlagartig „im Dienst“ sein muss. Das Schöne daran: nach einer Reise kann man dann natürlich meist selbst noch „Urlaub“ dranhängen, nämlich dann, wenn die Reisegäste wieder zur Arbeit müssen 😉

Reiseleiter

„ Um als Reiseleiter zu arbeiten, braucht man eine kaufmännische – am besten eine touristische – Ausbildung “

Es gibt sicher einige Veranstalter – eher die großen Touristikkonzerne – die für bestimmte Arten der Reiseleitung eine solche Vorbildung verlangen. Allerdings handelt es sich dann eher um sog. „Standort-ReiseleiterInnen“, die vor Ort bei der Betreuung von Hotelgästen viele administrative Aufgaben erledigen müssen, wie z.B. den Verkauf von Sonderleistungen wie Ausflüge, Mietwagen, Versicherungen etc. Aber auch das ist eher die Seltenheit. Für die Leitung von Gruppenreisen (also Rundreisen, Studienreisen, Wander- und Aktivreisen etc.) macht dies wenig Sinn, denn da geht es vielmehr um Gruppenbetreuung, Vermittlung von landeskundlichen Inhalten, Steuern von gruppendynamischen Prozessen und organisatorischen Dingen, für die kaufmännische Kenntnisse manchmal sicher nicht schaden, aber ohne die es in der Regel auch geht. Hierfür sind andere Qualifikationen viel wichtiger, nämlich Landeskenntnisse, Reiseerfahrung, Organisationstalent, Sprachkenntnisse, kommunikatives Geschick, Führungskompetenzen (siehe Rubrik „Voraussetzungen“) etc. Bei Studienreisen ist oft ein abgeschlossenes (oder zumindest fortgeschrittenes) Hochschulstudium einer einschlägigen Fachrichtung (z.B. Kulturwissenschaften, Geografie, Kunstgeschichte, Ethnologie, Archäologie, Biologie etc.) hilfreich bzw. Voraussetzung. Aber je nach Anspruch bzw. können dies auch informelle Eignungen sein, siehe auch hier Rubrik „Voraussetzungen“.

Eine Ausbildung zum Reiseleiter ist in Form von Kompaktseminaren möglich und auch empfohlen, um natürlich auf die Aufgaben vorbereitet zu sein, um der Selbstsicherheit willen und schließlich auch, um die Bewerbungschancen dadurch massiv zu erhöhen, denn ohne vorherige Berufserfahrung oder irgendeinem Bezug zur Reiseleitung hat man natürlich deutlich geringere Chancen, denn welcher Veranstalter schickt schon seine Reisegäste mit einem vollkommen ahnungs- und erfahrungslosen Reiseleiter auf Tour? Hierfür ist die nächstbeste Möglichkeit, sich mit einem Reiseleiter-Zertifikat zu bewerben, hierdurch hebt man sich alleine schon einmal von vielen Mitbewerbern ab, denn man kann dokumentieren, dass man sich a) mit der Tätigkeit und der realistischen Situation des Reiseleiters intensiv auseinandergesetzt hat und kein Träumer ist, b) auch eine Wichtigkeit und Ernsthaftigkeit des angestrebten Jobs dokumentiert, also für Reiseveranstalter nicht als Träger einer „Schnapsidee“ gilt, schließlich hat man ja Geld in seine Ausbildung investiert und c) auch die notwendigen Kenntnisse und Techniken der Reiseleitung angeeignet hat.

„ Von Reiseleitung alleine kann man ja nicht leben “

ReiseleiterKommt darauf an, für welchen Reiseveranstalter man arbeitet und welche Art von Reisen man leitet. Es gibt sicherlich Reiseveranstalter bzw. Reisearten mit Honoraren im „Low-Budget-Bereich“. Dann ist die Aufgabenstellung allerdings meist auch nicht so sehr anspruchsvoll, dass man sich aufwändiger auf solche Reisen vorbereiten müsste. Dann sind dies auch eher Reisen für gelegentliche „Reisebegleiter“ oder „Teamer“, die solche Reisen gerne mal auch während der eigenen Urlaubszeit zum Spaß leiten. Es gibt jedoch im Bereich der anspruchsvollen Reiseleitung tausende von ReiseleiterInnen, die diesen Beruf in Vollzeit ausüben und natürlich davon leben können (bzw. ja auch müssen), manchmal grade so, aber oft auch relativ gut und komfortabel.

„ Reiseleiter werden wie Tennis- oder Surflehrer permanent angebaggert “

ReiseleiterJa, dass hätten viele (männliche) Reiseleiter vielleicht gerne… und ja, manchmal ist das auch so. Aber die Zeiten sind vorbei, in denen man im Reiseleiter den Gigolo, den Freigeist, der zu allem bereit und selbst auf Abenteuersuche ist, vermutet. Viele Reiseleiter sind verheiratet und haben Familien, von daher haben sich schon viele „verschmähte“ Kandidatinnen das „Angraben“ des Reiseleiters „abgeschminkt“, zumal ein Flirt mit weiblichen Reisegästen von den jeweiligen Reiseveranstaltern als absolutes „No Go“ sozusagen verboten wird, weil sich dadurch massive negative gruppendynamische Prozesse in Gang setzen, die die Zahl der Beschwerden und Reklamationen zu allem Möglichen auf der Reise blitzartig in die Höhe schießen lassen, und jeder, der so eine Erfahrung schon einmal gemacht hat (ob willentlich oder „unschuldigerweise“), lässt ohnehin intelligenterweise die Finger davon. Auffällig hoch ist jedoch in der Tat die Zahl derjenigen Reiseleiter, die mit ehemaligen Reisekundinnen liiert bzw. verheiratet sind, man fragt sich natürlich, wie das dann möglich ist. Aber kein Reiseveranstalter mischt sich natürlich in das Privatleben eines Reiseleiters ein, sofern die „Anbandelung“ nach der Reise stattfindet, und das ist auch gut so. Nur während der Reise sollte man dies tunlichst vermeiden (oder zumindest nicht sichtbar gestalten). Reiseleiterinnen werden zwar manchmal auch angebaggert und in extrem seltenen Fällen sogar gestalkt. Allerdings ist das Verhältnis Frauen – Männer in Reisegruppen im Schnitt 70 : 30 (manchmal auch ganz anders, versteht sich) und viele Männer sind Teile von Ehepaaren, allein reisende Männer sind eher seltener als allein reisende Frauen. Von daher sind die „Gefahren“ hieraus überschaubar und unabhängig davon auch relativ leicht zu handeln.

„ Reiseleiter leben immer im Ausland “

Reiseleiter

Manchmal ja, dann sind sie die „günstigeren“ Reiseleiter für die Veranstalter, weil sie sich dann die Anreisekosten und manchmal auch die Übernachtungskosten für die Reiseleiter sparen“. In den meisten Fällen, in denen Sie aber mit „Reiseleitung“ in Berührung kommen werden, ist dies keine Notwendigkeit, denn meistens reisen die ReiseleiterInnen mit den Reisegruppen vom Heimatland ins Zielgebiet und mit diesen auch wieder zurück (Ausnahmen u.a. sind Folgetouren oder private Aufenthalte vor oder nach der Reise etc.). Wenn man allerdings den Wunsch hat, im Ausland zu leben, ist dies für manchen Reiseveranstalter auch ein Grund zur Einstellung, man sollte sich hierfür aber vorab für ein Reiseziel entscheiden, in dem es auch genügend Nachfrage für die Einsätze als Reiseleiter gibt. Wer z.B. davon träumt, nach Äquatorialguinea auszuwandern, wird dort verhungern, ehe der erste Reisegast dort eintrifft. Wer Italienisch kann und sich in Italien niederlassen will, wird zumindest von Frühjahr bis Herbst voll ausgebucht sein, wenn man es richtig gestaltet.

„ Ich bin sicher zu alt für den Job als Reiseleiter “

ReiseleiterFür die Ausübung des Reiseleiter-Jobs gibt es keine Altersgrenze! Fakt ist, dass die Hauptzielgruppe  der Reisegäste für Gruppenreisen zwischen Mitte 30 und 70 Jahren liegt. Dabei spielt der Umstand, dass „ältere“ Reisegäste einem zu jungen Reiseleiter vielfach die Kompetenz, eine Reisegruppe zu führen, eher nicht zutrauen und von daher einen lebenserfahrenen Reiseleiter bevorzugen bzw. auch solche im höheren Lebensalter akzeptieren. Der/die ReiseleiterIn muss natürlich zur Zielgruppe passen, was nicht heißt, dass ein Reiseleiter für Seniorenreisen selbst schon das selbe betagte Alter haben muss wie die Reisegäste, was natürlich mit den Anforderungen an die geistige und körperliche Fitness der Reiseleitung zusammenhängt. Genauso sind ReiseleiterInnen für Jugendreisen selbst natürlich keine Jugendliche, aber da würde ein/e 50-jährige/r nicht mehr passen. Es gibt also für jede Altersgruppe einen geeigneten Reiseleiter, von daher ist Reiseleitung ein „altersloser“ Job und möglich zwischen Anfang 20 bis Ende 60 und manchmal sogar – bei rüstigem und gesundem „Zustand“ – auch älter. Natürlich haben die verschiedenen Reiseveranstalter eine sehr genaue Vorstellung vom „Einstiegs“-Alter Ihrer neuen ReiseleiterInnen, man kann aber davon ausgehen, dass man bei diesen schon auch gerne mal „älter“ werden darf, ohne gleich seinen Job zu verlieren. Es gibt also genügend Einstiegsmöglichkeiten für Quereinsteiger und „Spätberufene“, da ist ein höheres Alter sogar eher förderlich als in den allermeisten Berufen. (siehe auch Anforderungsprofil von Reiseveranstaltern)

 „Da hat man es ja nur dauernd mit meckernden und reklamierenden Touristen zu tun!“

Reiseleiter Natürlich gibt es auch Kunden, die sich über einen Umstand während der Reise ärgern, z.B. weil genau in ihrem Zimmer kein Licht funktioniert oder weil sie bezüglich von Mahlzeiten oder Zimmergröße eine andere Vorstellung hatten, als dies im Reiseland tatsächlich der Fall ist. Aber haben wir nicht alle mal eine Situation erlebt, in der wir uns zurecht geärgert haben? Wie erfreulich war es dann für uns zu erfahren, dass wir uns im Gespräch einem verständnisvollen Menschen gegenübersahen, der unsere Bedürfnisse wahrgenommen hat und uns am Ende des Gesprächs auch eine passende Lösung anbieten konnte. Auch die ReiseleiterInnen werden für solche Situationen geschult und sind in der Lage, für die kleinen und großen Schwierigkeiten vor Ort auch Lösungen zu schaffen. Sind die ReiseleiterInnen richtig gut in der Betreuung, freut sich auch der Veranstalter, denn dann gibt es so gut wie keine Reklamationen, die im Büro einlaufen. Wer als ReiseleiterIn die Gäste wahrnimmt, und dies von Anfang an, kennt nur sehr wenig bis keine Reklamationen. Und zudem gibt es dann auch keine „meckernde Kunden“, sondern nur Kunden mit individuellen Wünschen. Als Dienstleister ist es einfach mal die Aufgabe der Reiseleitung, sich mit diesen Wünschen auseinanderzusetzen und wer dies entsprechend angeht, freut sich bereits auf das nächste Gespräch mit seinen Kunden.