Reiseleiter

Reiseleiter Harald Geier

Reiseleiter für verschiedene Busveranstalter

Was hat mich zur Reiseleitung gebracht?

Ende der 80er hatte ich noch als Schüler, mit 18, meine erste große Reise, Paraguay, Brasilien, Rio de Janeiro, das war schon etwas sehr Besonderes zur damaligen Zeit. Dabei hab ich „Feuer gefangen“, ich wollte nur noch so viel wie möglich <<reisen>>. Nach kurzer Zeit eines begonnenen Wirtschaftsstudiums, wechselte ich zu Geschichte und Ethnologie / Kulturanthropologie. War es zuvor private Freude, wurde ich nun in Ethnologie sogar explizit aufgefordert auf Reisen zu gehen. Ich habe die Fremde / das Fremde so spannend gefunden, bin monatelang mit dem Rucksack durch Südamerika, habe ein Jahr an der Universität von Barcelona studiert, all das habe ich sehr genossen. Aus einem sehr geregelten Umfeld kommend, wie es das Österreich der 80er -Jahre war, war es einfach faszinierend zu erleben, daß Alles irgendwo anders irgendwie anders gemacht wird. Der Begriff „normal“ relativiert sich. Das war und ist eine tolle Lebenserfahrung.

Am Ende meines Studiums sah ich zufällig ein Zeitungs-Inserat: Reiseleiter in Italien gesucht. Nach einem Telefongespräch war alles abgemacht. 3 Tage nach Studienabschluß, bin ich mit der Eisenbahn in die Toscana gefahren und habe dort meine erste (Bus-)Touren geleitet. (Damals noch ohne Internet und Mobiltelefone !)

Was waren für mich besondere Erlebnisse als Reiseleiter ?

Ich hab durch das Reiseleiten die Mittelmeerküste von Istrien bis Andalusien Ort für Ort kennengelernt. Im Laufe der Zeit konnte ich, Stück für Stück, die verschiedenen Regionen zusammensetzten. Manchmal fehlte noch wo ein Abschnitt, ein bestimmtes Gebiet, und wie ein Puzzle konnte ich über die Jahre alles mehr zusammenfügen.

Selbst zu sehen und zu erleben, was andere vielleicht nur aus dem Fernsehen kennen, das war für mich immer das Besondere. Viele Orte, an denen ich längere Zeit verbracht habe, Regionen, die ich bereist habe, haben sich mit einem bestimmten Bild für immer eingebrannt. Syrakus, Catania, Palermo, Amalfi, Neapel, Rom, Florenz, Pisa, Carrara, Bologna, Mailand, Venedig, Verona, Triest, Porto Venere, Genua, Sanremo, Nizza, Marseille, Bordeaux, Paris, London, Zürich, Barcelona, Valencia, Ibiza, Korsika, Elba, Sardinien, Ischia, Sizilien, die Eolischen Inseln. Menschen die man dort kennengelernt hat, das Nachtleben in den Städten, ein gutes oder ausgewöhnliches Essen. Der Umgang untereinander, Sitten, Bräuche, Kultur und Geschichte, Sprachen.

Aber auch die Alpenseen: Lago di Como, Lago di Garda, Lago Maggiore, Luganersee, Vierwaldstättersee, Zürichsee, Bodensee, Chiemsee; Salzkammergut, Südtirol, Graubünden, Veltlin .. Schiffsfahrten, Bootsfahrten, Bahnfahren, Seilbahnfahrten, Paßstraßen, Wasserfälle, Vulkane, Höhlen und Schaubergwerke, Panoramastraßen, botanische Gärten, archäologische Parks, Museen, Kathedralen und Dome, Schlösser und Burgen. Die Ausflugsprogramme bei Busreisen sind sehr vielseitig.

Was begeistert mich immer noch an dieser Profession?

Das viele Herumkommen, die Flexibilität die man für diese Arbeit braucht, das viele Erleben, die ganzen Eindrücke, an vielen Orten „zu Hause“ sein, hinter die Kulissen blicken. Je länger man es macht, umso reichhaltiger wird das Ganze. Wir haben das Glück eine Arbeit auszuüben, bei der man mit seinen Aufgaben wächst, die Erfahrung im Umgang mit Menschen, das Wissen über das jeweilige Land, die Sprachkenntnisse nehmen von Jahr zu Jahr zu. Das Erleben regionaler Eigenheiten, die jeweiligen kulinarischen Spezialitäten, der Wein. Ich liebe es noch immer, immer wieder etwas Neues kennenzulernen oder auch an einen Ort wieder zurückzukehren. In der Schule hatte ich unter Latein gelitten, heute sind romanische Sprachen zu meinem Hobby geworden ! Eine Arbeit zu haben, die einem die Möglichkeit gibt zu wachsen statt dabei innerlich abzubauen, ist ein Privileg, gerade heutzutage.

Das Schönste für mich an meiner Arbeit, ist, meine eigene Begeisterung an die Gäste weitergeben zu können, gute Laune zu vermitteln, Positivspiralen in Gang zu setzen und vor Allem auch Interesse an Kultur und Geschichte und Sympathie für das Fremde erwecken zu können.

Man hat schon vor 20 Jahren gesagt, diese Art von Busreisen wird es nicht mehr lange geben, heute gibt es mehr als je zuvor. Das liegt einfach daran, daß sie die ideale Art für Menschen ab einem gewissen Alter darstellen, weiterhin etwas zu unternehmen und etwas zu sehen können, oder auch an Orte noch einmal zurückzukehren, an die man Erinnerungen hat. Sehr oft erzählen mir Gäste, was sie in jüngeren Jahren alles unternommen haben, mit Wohnmobil und in Übersee .. aber ab einem bestimmten Alter wird die Bequemlichkeit beim Reisen und die Möglichkeit hinauszukommen und etwas zu sehen, ohne sich dabei körperlich allzusehr anstrengen zu müssen, das Ausschlaggebende. Busreisen sind richtiggehende „Er-fahrungen“.

Was möchte ich zukünftigen Reiseleitern/Innen mit auf den Weg geben?

Empathie und Menschen generell zu mögen sind die wichtigsten Voraussetzungen. Die Gäste lernen nicht nur von uns, sondern auch wir können von unseren Gästen und den Geschichten die sie erzählen, lernen. Bei Busreisen sind es zumeist ältere Gäste, zum Teil auch schon über 80, die einem also einiges an Alter voraus haben. (Das ist ein weiterer positiver Aspekt bei unserer Arbeit, daß man für unsere Gäste in der Anrede immer der „junge Mann“ bleibt ; )). Einserseits menschlich, über Lebensthemen, für mich als Historiker ist es vor allem aber auch interessant von Zeitzeugen aus erster Hand berichtet zu bekommen, von Dingen von denen man vielleicht schon einiges gelesen hat, z.B. die Strukturen in der DDR, zweiter Weltkrieg, Flucht, BRD in den 70ern, Russlanddeutsche, uva.; echte „oral history“ also.

Man hat die Möglichkeit Flexibilität und einen gewissen Umgang mit Problemen zu erreichen und zu verfestigen, der einem auch im Privaten und im eigenen Alltag viel weiterhelfen kann. Zu lernen, was man alles schaffen kann, dazu auch die Leichtigkeit im Auftreten vor Menschen. Innere Ruhe und Gelassenheit sollte man mitbringen, Geduld ist die wichtigste Eigenschaft bei unserer Tätigkeit.

Ich muß natürlich für mich wissen, ob ich auch der Typ für diese Art Aufgabe bin. Gewisse Dinge kann man erlernen, Inhaltliches, Sprachen, auch z.B. wie vor Gruppen souverän frei zu sprechen und sie auch zu führen = anzuleiten. Für anderes muß man aber der >>Typ<< sein, z.B. es „cool“ zu finden, aus dem Koffer zu leben und jeden Abend in einer anderen Stadt zu übernachten, aber auch immer wieder plötzlich auftretende hohe Belastungen aushalten, ein korrekter Umgang mit Arbeitskollegen (Busfahrern). Gerade bei einem Job wie diesem, der einen auch schon mal mit Haut und Haar verschlingen kann.

Als Bus-Reiseleiter ist man in erster Linie Geschichtenerzähler, freies Geschichten-Erzählen ist nicht das Selbe wie sture Informationsweitergabe !, dazu Aufpasser und Beschützer in fremden Städten, Zuhörer (siehe oben), Gute-Laune-Bringer, Unterhalter und Bildungsvermittler (>>infotainment<<), Bilder-Weitergeber, aber auch Vertrauensperson, Übersetzer, Anleiter, Entscheidungsperson („wie geht’s jetzt weiter ?), Allesimgriffhaber, Organisator, Programmdurchführer und Qualitätskontrolleur (für den Reiseveranstalter), Telefonist, Kassenführer, Erstehilfeleister, Photograph, Geburtstagsgeschenkebesorger, Restaurants.- und Eissalonsempfehler, Mobiltelefoneinstellungseinrichter („das hab‘ ich zu Weihnachten von meiner Enkelin bekommen“ ;-)), ….

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